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Gomondai Gedenkstunde
Heute vor 19 Jahren verstarb der Mosambikaner Jorge Gomondai. Der damals 28-Jährige wurde in der Nähe des Albertplatzes von Neonazis aus der fahrenden Straßenbahn gedrängt. Dabei verletzte er sich so schwer, dass er in der Medizinischen Akademie an den Folgen seiner Verletzungen verstarb. Um gegen Rassismus und Neonazismus zu mahnen, finden jährlich Gedenkveranstaltungen in Dresden statt.
Heute lädt der Ausländerrat Dresden e.V. ab 17 Uhr zur Gedenkstunde am Jorge-Gomondai-Platz mit Reden und afrikanischer Musik.
OVG: Neonazi-Aufmarsch darf stattfinden
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen hat heute die Beschwerde der Stadt Dresden gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtes verworfen. Wie die Stadtverwaltung heute in einer Pressemitteilung erklärte, wird sie den Beschluss des OVG umsetzen – die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) darf marschieren, aber nicht auf der gewünschten Route. In seinem Beschluss hat das Gericht außerdem bestätigt, dass die Verlegung der Route der JLO von der Altstadt auf die Neustädter Seite vertretbar ist und den Anmeldern zugemutet werden kann. Auch die durch die Versammlungsbehörde geforderte zeitliche Beschränkung von 12 bis 17 Uhr wurde durch das Gericht bestätigt.
Damit wird ein Start des Aufmarsches am Neustädter Bahnhof sehr wahrscheinlich.
Zeitgleich werden in Dresden verschiedene Gegendemonstrationen stattfinden. Mit Unterstützung aller demokratischer Kräfte soll eine Menschenkette den gemeinsamen Willen der Dresdner ausdrücken, ihr Erinnern mit dem Bekenntnis zu Frieden, Demokratie und Menschenrechten zu verbinden. Sie soll symbolisch die Dresdner Innenstadt vor dem Eindringen Rechtsextremer schützen.
Das Bündnis Dresden Nazifrei hat auch eine Kundgebung am Bahnhof Neustadt angemeldet und will ab 9 Uhr ein Programm organisieren, bei dem unter anderem Katja Kipping (stellv. Parteivorsitzende Die Linke), Aiman Mazyek (Generalsekretär des Zentralrats der Muslime) und der Liedermacher Konstantin Wecker auftreten sollen. Auf diese Weise soll der Platz besetzt und den Nazis kein Raum gelassen werden.
Gedenktafel am Bahnhof Neustadt
Wenn am 13. Februar Neonazis am Bahnhof Neustadt auflaufen, werden sie auch mit dieser Gedenktafel konfrontiert.
Die Gedenktafel am Neustädter Bahnhof, die an das Schicksal Dresdner Juden erinnert, wurde am 27. Januar 2001 vom damaligen Oberbürgermeister Herbert Wagner enthüllt. Die Inschrift lautet: “Im Nationalsozialismus war der Güterbahnhof Dresden-Neustadt Ausgangspunkt oder Zwischenstation für viele Deportationen von jüdischen Frauen, Männern und Kindern. Im Oktober 1938 begann hier die Abschiebung von 724 Dresdner Juden nach Polen. Mit Zügen der Deutschen Reichsbahn erfolgte zwischen 1942 und 1944 ein großer Teil der Transporte in die Gettos Riga und Theresienstadt, in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie in andere Konzentrationslager”Die Tafel besteht aus drei Elementen: aus zwei Stahlplatten und einer Glasplatte, die diese optisch miteinander verbindet. Auf die Glasplatte wurde per Sandstrahl ein Psalm in Hebräisch und in Deutsch aufgebracht. Außerdem sind in das Glas sechs Pflastersteine eingelassen. Diese symbolisieren zum einen die Opfer, zum anderen aber auch die Gefährdung von Leben. In den Gehweg – in Sichtbeziehung zur Tafel – wurde ein einfacher bronzener Davidstern eingelassen.
Martin-Luther-Platz: Workshop
Am Freitag, dem 27. Februar findet um 17 Uhr im Gemeindesaal am Martin-Luther-Platz 5 ein Workshop zur Neugestaltung des Platzes statt. Auf der Internetseite der Stadt kann man die bislang vorliegenden Pläne einsehen. Während des Workshops sollen auch die Ergebnisse der Bürgerumfrage vom vergangenen Herbst präsentiert werden. Hier kann man sie auch nachlesen.
Interkulturelles Straßenfest
Am kommenden Sonnabend, dem 27. September gibt es von 12 bis 17 Uhr auf dem Martin-Luther-Platz ein Interkulturelles Straßenfest, organisiert vom Ausländerrat Dresden e.V.
Einweihung des Jorge-Gomondai-Platzes
Heute fand anlässlich des 16. Todestages des Mosambikaners Jorge Gomondai ab 13 Uhr eine Gedenkveranstaltung statt. Im Beisein seiner Exzellenz, Carlos dos Santos, Botschafter von Mosambik, wurde der Platz am Anfang der Hauptstraße offiziell in Jorge-Gomondai-Platz umbenannt. Rund 300 Menschen nahmen an der feierlichen Einweihung teil.
Von der wichtigsten Kreuzung in der Neustadt
Eilig haste ich durch den herbstlichen Regen und prompt pralle ich gegen zwei Damen, die urplötzlich stehen geblieben sind. Sie stehen und staunen, denn inzwischen ist es ist fast fertig. Das nigelnagelneue mexikanische Restaurant auf der Louisenstraße. Nur im Keller und rundherum wird noch gebaut. Der Gaststättenbetrieb läuft schon auf Hochtouren. Ich entschuldige mich, will weiter. Dann fällt mir auf, dass ich die Veränderungen der Neustadt schon gar nicht mehr wahrnehme. Das Staunen der Damen, es ist berechtigt.
Immerhin befinden wir uns an der wichtigsten Kreuzung der Neustadt. Der Krieg hatte hier große Lücken gerissen und aus der engen Ecke zwischen Alaun- und Louisenstraße hatte sich ein kleiner Platz entwickelt. Es gab Wege, Wiesen, Bäume und Parkbänke. Eine grüne Oase in der Mitte des Gründerzeitviertels.
In den frühen 90er Jahren war die Ecke der Treffpunkt schlechthin. Bei gutem Wetter der Startpunkt jeder zünftigen Kneipentour. Legendär, weil unwiederholbar, das Neustädter Oktoberfest 1993. Zu handgeschmierten Fettbemmen gab es Bluesmusik und billiges Bier.
Doch die Veränderung nahte und zwei Architekten ahnten Großes. Vergoldete dreieckige Platten ließen sie an jede Ecke der Kreuzung legen. Ein Symbol für den goldenen Boden. Und tatsächlich: Stück für Stück entwickelte sich die Ecke weiter. Erst entstand ein Seniorenheim mit integriertem Griechischem Restaurant. Dann wurde ein Schwalbennest gebaut mit Luxuswohnungen und Gogo-Tänzerinnen. Dann verwandelte sich ein grundanständiger Reifenhandel in eine verruchte Partyzone. Und nun ist auch die letzte grüne Ecke rot geworden. Leuchtreklame lockt mexikanisch Essen zu gehen.
Damit hat die wichtigste Kreuzung der Neustadt ihre Position wieder zurückerobert. Denn auch heute starten hier wieder zünftige Kneipentouren. Zumindest die beiden Damen wollen sich erst einmal eine gute Grundlage anfuttern, um dann in verschiedenen Bars das pralle Leben mit gut gefüllten Cocktail-Gläsern genießen zu können.
Löcher in der Straße oder ein Stadtteil versackt
Einfach abgesackt, weggerutscht. Ein neues Loch ist entstanden. Mitten auf dem Martin-Luther-Platz sind mehrere Pflastersteine etwa 30 Zentimeter nach unten gesackt. Rot-weiße Warnbaken markieren die Katastrophen-Stelle. Ein dickes Loch prangt dort, wo früher Straße war.
Dass man in der Neustadt hervorragend versacken kann, müsste eigentlich klar sein, diverse Kneipen locken mit hochprozentigen Getränken. Und nach reichlichem Genuss bleibt der eine oder andere Alkohol-Liebhaber schon mal unterm Tisch liegen. Doch dass neuerdings auch Pflastersteine versacken, ist schon ein ziemlich starkes Stück. Dabei ist das Vorkommnis am Martin-Luther-Platz nicht das erste seiner Art. Vor reichlich einem Jahr haben sich auf der Schönfelder Straße schon einmal ein paar Steinchen in den Untergrund verabschiedet. Damals reagierte das Straßenbauamt wesentlich drastischer. Zur Strafe wurde die halbe Straße gesperrt. Rote Karte, zwei Wochen Pause, keine Autos, keine LKW, die übrigen Steine der Straße wurden in einer Art Sippenhaft gleich mit bestraft.
Nach Ablauf der Sperrfrist wurden die Übeltäter aus ihrer Tieflage befreit, neuer Sand im Untergrund sollte weiteres Absacken verhindern, bis heute erfolgreich. Stellt sich nun die Frage ob, die Abrutsch-Aktion am Martin-Luther-Platz eine Solidaritäts-Demonstration ist, oder ob dort einfach nur dem Druck von oben nachgegeben wurde.
Diesmal reagiert die zuständige Behörde nur mit einer lokalen Sperrung, vermutlich ist sogar schon ein kleiner Bautrupp beauftragt, den Untergrund zu untersuchen und weitere Absackungen zu verhindern. Doch hier muss hart und schnell gehandelt werden, die Abweichler müssen erstmal ihrem Elend überlassen werden, eine Sperrung des ganzen Platzes sollte her. Damit die anderen Pflastersteine genau wissen, wer hier Herr über Grund und Untergrund ist.
Denn wenn hier nur lokal begrenzte Strafen verhängt werden, wird es immer wieder neue Absturz-Versuche geben. Und vielleicht bilden die Pflastersteine dann auch irgendwann eine Allianz mit den wenigen Asphaltdecken auf Alaun- und Louisenstraße. Das Drama könnte ungeahnte Formen annehmen, wenn plötzlich eine ganze Straße im Untergrund verschwindet und sämtlichen Kneipen plötzlich die Laufkundschaft fehlt.



