Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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Beschreibung
Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt fast täglich frische Nachrichten aus dem Szene-Viertel Dresden-Neustadt. Hier gibt es Hintergründe, Albernheiten, Gerüchte, Klatsch, Tratsch und heiße Diskussionen aus der Dresdner Neustadt und natürlich die meisten Informationen zur Bunten Republik Neustadt.

Von alten Kneipen

Zugemauertes Café Bronxx während der BRN 1991

Zugemauertes Café Bronxx während der BRN 1991

Am kommenden Sonnabend wird in der Äußeren Neustadt mal wieder ein Kneipenfest gefeiert. Jetzt schon zum neunten Mal. Früher hieß das mal Kneipen- und Kulturfest. Naja, die Kultur ist wohl auf der Strecke geblieben. Für mich aber mal ein guter Anlass einen genaueren Blick auf die Neustädter Kneipenlandschaft zu werfen. Die Straßen zwischen Albertplatz und Bischofsweg werden in fast jedem Reiseführer als Szene-Viertel geführt. Der Ursprung dessen liegt in den späten 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals bevölkerten wilde Studenten, Alternative, Langhaarige und Punks zunehmend die heruntergekommenen Altbauten. Und nach ersten geheimen Treffs in Wohnzimmern entstanden Ende 1989 die ersten Szene-Kneipen wie das Stillos im Hechtviertel, die Bronxx auf der Alaunstraße, das Tivoli auf der Louisenstraße oder das La Mitropa auf der Böhmischen. Herrliche Zeiten für Hobby-Wirte. Die DDR-Staatsmacht war zusammengebrochen und von der Einheit war noch nix zu spüren. Kein Hygiene-Amt, das kontrollierte, keine Steuereintreiber. Man konnte einfach ne leer stehende Wohnung besetzen, ein paar Tee-Kisten hineinstellen, wilde Graffitis an die Wände sprühen und fertig war die Kneipe. Doch auch damals schon gab es Gourmet-Tendenzen. Im La Mitropa beispielsweise standen zwar auch die obligatorischen Kisten vor besprühten Wänden, jedoch gab es sehr oft sehr leckeres Essen.
Nahezu alle Szene-Kneipen der ersten Stunden hielten sich nicht lange. Die Bronxx wurde von Neonazis, die damals häufig die Neustadt heimsuchten angezündet, das La Mitropa wurde von der Polizei nach einer missglückten Antifa-Demo geschlossen. Andere mussten schließen als mit der Deutschen Einheit dann plötzlich Recht und Gesetz zurückkam. Nur wenige haben sich bis heute gehalten. So zum Beispiel die Hundert auf der Alaunstraße oder das Tivoli, das zwar inzwischen Hieronymus heißt und umgezogen ist.
In den 90ern setzte dann ein regelrechter Boom ein, keine Woche ohne neue Kneipe. Im gleichen Zug verdrängte die jugendliche Szene immer mehr das Ursprüngliche aus der Neustadt, so dass es nur noch zwei drei originale DDR-Kneipen am Rande des Viertels gibt. Inzwischen scheint der Markt gesättigt. Neueröffnungen gibt es zwar noch, aber dafür mindestens genausoviele Schließungen.

Anmerkung 2009: Nach dem Tod von Fred Blumenthal hat auch das Hieronymus geschlossen. Dort residiert jetzt die Bar Paradise.

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