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Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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Beschreibung
Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt fast täglich frische Nachrichten aus dem Kneipen- und Szene-Viertel Dresden-Neustadt. Hier gibt es Hintergründe, Albernheiten, Gerüchte, Klatsch, Tratsch und heiße Diskussionen aus der Äußeren Neustadt und natürlich die meisten Informationen über die Bunte Republik Neustadt.

Von fliegenden Menschen und verschwundenen Szene-Kneipen

geschlossenes Café Bronxx zur BRN 1991 - zum Vergrößern draufklicken

geschlossenes Café Bronxx zur BRN 1991 - zum Vergrößern draufklicken

Neulich abends stand ich mal wieder ein Weilchen länger an meiner Lieblings-Ecke, auch bekannt als Meinel-Eck, wegen des gleichnamigen Musikfachgeschäftes, an der Rothenburger Straße. Besonders gern steh ich dort, weil ständig Menschen vorbeiströmen. Ab und an auch ein bekanntes Gesicht. An jenem besagten Abend war es recht ruhig, plötzlich baut sich ein schlanker Mann vor mir auf, klopft mir auf die Schulter und freut sich übers ganze Gesicht.

Mir ist das etwas unangenehm, sein Name ist mir entfallen und auch Ort und Zeit des Kennenlernens. „Ich bin’s, Frank. Mensch, du musst dich doch noch an mich erinnern.“ Ich hab nicht die leiseste Ahnung, doch bin ich jetzt etwas neugierig geworden und schlage vor, bei ein paar Bierchen die Geschichte aufzurollen. Schnellen Schrittes steuern wir das Max, die neue Großraumkneipe an, das Bier wird zügig gebracht, Frank beginnt zu erzählen und mir fallen die Schuppen gleich dutzendweise von den Augen.
1989 war’s im Dezember, wir hatten uns in der Schauburg einen Film angesehen und wollten noch was Wildes erleben. Vor der Neustadt hatte man mich immer gewarnt, da hausen nur Knastis und Alkis, die zärtliche Umschreibung für Menschen mit Alkoholproblemen. Doch wir hatten Lust auf das Abenteuer und brachen über die Alaunstraße in das Viertel ein. Am oberen Ende befindet sich immer noch die 100, nur gab es damals kein Vorderhaus und der Eingang war auch an anderer Stelle. Gerade wollte ich die Tür aufziehen, als sie mir entgegen geflogen kam. Mitsamt der Tür flogen die Worte „Lass Dich nie mehr hier blicken“ und einer dieser Alkis in den Dreck vor der Kneipe. Wir merkten, wie sich unsere Abenteuerlust auf die Socken machte und die Alaunstraße entlang floh, also eilten wir hinterher. Dann mitten im Viertel sahen wir eine weitere Kaschemme: Die Bronxx. Bis heute ist diese Kneipe für mich Inbegriff einer Szene-Kneipe geblieben. Statt Tischen und Stühlen gab es Teekisten, Bier nur aus der Flasche und Heißgetränke nur, wenn der Kellner einen besonderen Tag hatte.

So war das damals, inzwischen haben wir schon mehrere dieser hübschen kleinen Biertulpen geleert und die Kellnerin hat uns auch jedes Mal ein süßes Lächeln geschenkt, doch von Szene ist hier keine Spur.

2 Kommentare zu „Von fliegenden Menschen und verschwundenen Szene-Kneipen“
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